KI-Kennzeichnungspflicht 2026: Was gilt für Social Media?

Seit dem 2. August 2026 gilt Art. 50 der KI-Verordnung: Unternehmen müssen realistisch wirkende KI-Bilder, -Videos und -Audios (Deepfakes) offenlegen. Eine Pflicht, jedes KI-Bild zu kennzeichnen, gibt es nicht.

Keine Rechtsberatung

Rechtsstand: 13. Oktober 2026. Dieser Artikel erklärt allgemeine Pflichten und ersetzt keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall wende dich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt, deine IHK oder deine Handwerkskammer. Die Regeln zur KI-Kennzeichnung sind neu und werden noch ausgelegt. Dieser Artikel wird deshalb alle drei Monate geprüft. Bei Fragen zur KI-Verordnung hilft kleinen Unternehmen der KI-Service-Desk der Bundesnetzagentur. Die Quellen stehen am Ende.

Was gilt seit dem 2. August 2026?

Seit dem 02.08.2026 gilt Art. 50 der KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689). Er regelt Transparenzpflichten für KI-Systeme. Die EU-Kommission bestätigt das auf ihrer Faktenseite (zuletzt aktualisiert am 29.07.2026). Der Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27.07.2026) hat für Art. 50 nur eine Übergangsfrist für Anbieter geschaffen. Sie betrifft nicht den Betrieb, der KI nutzt, sondern den Anbieter des Tools (siehe unten).

Wichtig: Es gibt keine Pflicht, jedes KI-Bild zu kennzeichnen. Die Pflicht trifft realistisch wirkende Inhalte, die echt erscheinen, aber nicht echt sind.

Anbieter oder Betreiber: Was gilt für dich?

Die Verordnung unterscheidet zwei Rollen. Dein Betrieb ist in der Regel Betreiber.

Rollen nach Art. 50 KI-Verordnung
RolleWer das istPflichtÜbergangsfrist
AnbieterWer ein KI-System anbietet, das Bilder, Videos, Audio oder Text erzeugt, also das KI-Tool.Muss die Ausgaben maschinenlesbar als KI-erzeugt markieren (Art. 50 Abs. 2).Bis 02.12.2026, aber nur für generative Systeme, die schon vor dem 02.08.2026 auf dem Markt waren (Digital Omnibus).
BetreiberWer ein KI-System beruflich nutzt und die Ergebnisse veröffentlicht, also dein Betrieb.Muss Deepfakes offenlegen. Dazu Texte über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse, wenn kein Mensch sie redaktionell prüft und verantwortet (Art. 50 Abs. 4).Keine. Die Pflichten gelten seit dem 02.08.2026.

Rein private, nicht berufliche Nutzung ist nicht erfasst. Das Firmenprofil deines Salons, deiner Gaststätte oder deines Handwerksbetriebs schon.

Was ist ein Deepfake?

Nach Art. 3 Nr. 60 sind Deepfakes KI-erzeugte oder -veränderte Bild-, Ton- oder Videoinhalte, die existierenden Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen ähneln und einer Person fälschlich als echt erscheinen würden.

Offensichtlich fantastische oder physikalisch unmögliche Inhalte fallen nach Zusammenfassungen der Leitlinien der EU-Kommission nicht darunter. Bei erkennbar künstlerischen, satirischen oder fiktionalen Werken genügt ein zurückhaltender Hinweis. Die EU-Kommission arbeitet an Leitlinien zu Art. 50. Zusammenfassungen davon sind die Grundlage für diese Einordnung.

Welche Bilder musst du kennzeichnen?

Frag dich bei jedem KI-Bild: Wirkt es wie eine echte Aufnahme von echten Menschen, Orten, Produkten oder Ereignissen, oder von deinem Betrieb? Dann ist es wahrscheinlich ein Deepfake und muss offengelegt werden.

Praxis-Einordnung für Social-Media-Bilder (Stand 13.10.2026, keine Rechtsberatung)
BildKennzeichnung?Warum
Produktfoto, nur retuschiert (Farbe, Helligkeit, Staub entfernt)In der Regel neinDas Foto zeigt weiter das echte Produkt. YouTube nimmt kleine Änderungen wie Farbkorrektur ausdrücklich aus.
Echtes Produkt vor einem KI-HintergrundEmpfohlenDer Hintergrund kann wie ein echter Ort wirken. Im Zweifel kennzeichnen.
Fotorealistische KI-Szene mit Menschen, etwa „Gäste“ in deinem LokalJaWirkt wie eine echte Aufnahme.
KI-Teamfoto oder KI-„Mitarbeitende“ im Recruiting-PostJaWirkt wie eine echte Aufnahme deines Teams.
Fotorealistisches KI-Bild eines „fertigen Bades“ oder eines GerichtsJaZeigt scheinbar echte Arbeit. Zusätzlich kann es irreführend sein (siehe Hinweis unten).
Illustration, Comic oder Grafik aus Schrift, Formen und FarbenIn der Regel neinWirkt nicht wie eine echte Aufnahme.
Offensichtlich fantastische Szene, etwa eine Kaffeetasse mit WolkenstadtIn der Regel neinOffensichtlich nicht echt.
Caption, die core geschrieben und du geprüft und freigegeben hastIn der Regel neinSiehe nächster Abschnitt.

Keine erfundenen Ergebnisse

KI-Bilder, die echte Leistungen vortäuschen, können nach dem Wettbewerbsrecht irreführend sein, auch mit KI-Label. Das betrifft Vorher-Nachher-Bilder beim Friseur, Gerichte, die so nie serviert werden, und Arbeiten, die dein Betrieb nie ausgeführt hat. Das ist eine Einordnung aus dem allgemeinen Irreführungsverbot (§ 5 UWG), keine Entscheidung zu KI-Bildern.

Müssen KI-Texte gekennzeichnet werden?

In der Regel nicht. Eine normale Marketing-Caption, die ein Mensch prüft und freigibt, braucht keinen KI-Hinweis. Betreiber müssen KI-Texte nur dann offenlegen, wenn sie die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren und kein Mensch den Text redaktionell geprüft und verantwortet hat (Art. 50 Abs. 4). Ein Post über Öffnungszeiten, Angebote oder dein letztes Projekt fällt in der Regel nicht darunter.

Die Ausnahme gilt nur, wenn die Prüfung wirklich stattfindet. Lies den Text, bevor du ihn freigibst.

Was verlangen die Plattformen zusätzlich?

Unabhängig vom Gesetz haben die Plattformen eigene Regeln. Sie ergänzen die gesetzliche Pflicht, ersetzen sie aber nicht.

Plattform-Regeln zu KI-Inhalten (Stand 13.10.2026)
PlattformPflicht laut PlattformLabel und Quelle
Instagram und Facebook (Meta)Offenlegung ist verpflichtend bei fotorealistischem Video oder realistisch klingendem Audio, das digital erzeugt oder verändert wurde. Bei Verstößen drohen Sanktionen.Label „KI-Info“ (englisch „AI info“). Auch Bilder werden gelabelt, wenn Meta Branchensignale in der Datei erkennt oder du es selbst angibst. Quelle: Meta Newsroom, 05.04.2024, Updates bis 12.09.2024. Laut onlinemarketing.de (17.07.2026) hat Meta das Label am Beitrag 2026 zunächst auf iOS ausgerollt.
TikTokKennzeichnung ist verpflichtend für realistische KI-Bilder, -Audios und -Videos. Ohne Label drohen Entfernung, Einschränkung oder ein Label durch TikTok.Schalter beim Posten. Inhalte aus TikToks eigenen KI-Effekten und mit Content Credentials kennzeichnet TikTok automatisch, diese Labels lassen sich nicht entfernen. Quellen: TikTok Newsroom, 09.05.2024, und TikTok-Community-Richtlinien (Integrity & Authenticity).
YouTube und ShortsOffenlegung ist verpflichtend bei realistischen Inhalten: eine echte Person sagt oder tut etwas, das nie passiert ist, veränderte Aufnahmen realer Ereignisse oder Orte, realistische erfundene Szenen. Ausgenommen sind unrealistische Inhalte, kleine Änderungen wie Beauty-Filter oder Farbkorrektur und KI-Hilfe bei Skript, Titel oder Ideen.Angabe beim Hochladen in YouTube Studio. YouTube setzt das Label, bei fotorealistischen Inhalten im Player. Ohne Offenlegung kann YouTube selbst ein Label setzen oder den Inhalt entfernen. Quelle: YouTube-Hilfe.
LinkedInEine eigene Offenlegungspflicht ist nicht auffindbar.Laut einer Drittquelle (MediaPost, Mai 2024) zeigt LinkedIn ein automatisches Label, wenn Content Credentials in der Datei stecken. Ein offizieller Hilfeartikel von LinkedIn dazu ist nicht auffindbar.

Die Regeln der Plattformen ändern sich oft. Lies vor einem Post die aktuelle Fassung im Original, die Links stehen unter „Quellen“.

So kennzeichnest du richtig

  1. Prüfe das Bild. Ist es fotorealistisch und zeigt es scheinbar echte Personen, Orte, Produkte, Ereignisse oder deinen Betrieb? Dann legst du es offen.
  2. Aktiviere das Plattform-Label, wo die Plattform eines anbietet: bei Meta „KI-Info“, bei TikTok den Schalter für KI-Inhalte, bei YouTube die Angabe zu veränderten oder synthetischen Inhalten. In companycore lassen sich nur die Angaben bei TikTok und YouTube setzen. Bei Instagram und Facebook gibt es kein Feld dafür, dort zählt der sichtbare Hinweis aus Schritt 3.
  3. Schreibe einen sichtbaren Hinweis. Er steht am Anfang der Caption oder im Bild, zum Beispiel „Bild mit KI erstellt“. Er muss spätestens beim ersten Kontakt mit dem Inhalt erkennbar sein (Art. 50 Abs. 5), nicht am Ende der Caption und nicht in den Hashtags.
  4. Beginne den Alt-Text mit dem Hinweis. Zum Beispiel „KI-generiertes Bild: …“. Art. 50 Abs. 5 verlangt barrierefreie Hinweise.
  5. Nutze optional ein EU-Icon. Die EU hat drei optionale Icons bereitgestellt. Der Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte ist seit dem 10.06.2026 final und freiwillig.

Was droht bei Verstößen?

Die Verordnung sieht Bußgelder bis 15 Mio. € oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes vor, mit Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeit für kleine Unternehmen (EU-Kommission, Stand 29.07.2026). In Deutschland ist die Bundesnetzagentur die zentrale Marktüberwachungs- und Beschwerdestelle, das KI-Marktüberwachungsgesetz ist seit 29.07.2026 in Kraft. Laut Bundesnetzagentur bleiben in bestimmten Fachbereichen bestehende Aufsichten zuständig, im Medienbereich etwa die Landesmedienanstalten. Wer bei Deepfakes auf Social Media im Einzelfall zuständig ist, lässt sich der Pressemitteilung nicht entnehmen.

Was macht companycore?

Wirkt ein Bild wie eine echte Aufnahme, setzt der Visual Designer ein sichtbares Label: „KI-GENERIERT“ für neu erzeugte Bilder, „KI-MODIFIZIERT“ für bearbeitete echte Fotos. Es sitzt standardmäßig unten links und ist bewusst dezent.

Visual Designer mit einer Grafik im Hochformat auf violettem Hintergrund. Unten links im Bild steht klein das Label KI-GENERIERT, unten rechts das companycore-Logo.
Unten links im Bild: das dezente Label „KI-GENERIERT“. Wie du es anpasst, steht in KI-Kennzeichnung in companycore.
  • TikTok und YouTube. Bei TikTok ist Mit KI erstellt oder bearbeitet vorbelegt, wenn ein Medium KI-generiert ist. Bei YouTube ist Veränderte oder synthetische Inhalte automatisch vorbelegt. Schalter für Plattform-Labels nennt die App nur bei diesen beiden Kanälen.
  • Instagram, Facebook, LinkedIn. Hier bleibt der sichtbare Hinweis im Bild und im Text, dazu der Alt-Text im Editor (Bild-Details).
  • Texte. Texte schreibt core im Postgenerator. Nichts geht raus, bevor du es eingeplant und freigegeben hast. Lies den Text vorher wirklich.

Die Verantwortung für die Veröffentlichung bleibt bei dir. companycore sagt damit nichts darüber, ob ein Post alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt.

Welche Fehler passieren am häufigsten?

  • „Die Plattform labelt das schon automatisch.“ Automatische Labels setzen voraus, dass die Plattform Hinweise in der Datei erkennt. Setze das Label deshalb selbst.
  • Das Label steht nur am Ende der Caption oder in den Hashtags.
  • Ein realistisches KI-Teamfoto steht ohne Hinweis im Recruiting-Post.
  • Die Übergangsfrist bis 02.12.2026 gilt angeblich auch für Nutzer. Sie gilt nur für Anbieter und nur für die maschinenlesbare Markierung.
  • Werbeaussagen wie „100 % konform mit dem AI Act“ ohne Beleg. Das birgt ein Abmahnrisiko nach dem UWG.

Was du im Blick behalten solltest

  • die Leitlinien der EU-Kommission zu Art. 50,
  • das Ende der Übergangsfrist für Anbieter am 02.12.2026,
  • die Kennzeichnungsregeln von Meta, TikTok und YouTube,
  • den Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte vom 10.06.2026.

Häufige Fragen

Muss ich jedes KI-Bild kennzeichnen?

Nein. Offenlegen musst du realistisch wirkende Bilder, Videos und Audios, die wie echte Aufnahmen erscheinen (Deepfakes). Eine Illustration oder eine erkennbar fantastische Szene gehört in der Regel nicht dazu.

Muss ich KI-Texte kennzeichnen?

In der Regel nicht, wenn ein Mensch den Text prüft und freigibt. Anders sieht es bei Texten über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse aus, die niemand redaktionell geprüft hat (Art. 50 Abs. 4).

Muss ich alte KI-Bilder nachträglich kennzeichnen?

Laut EU-Kommission nicht: Deepfakes, die vor dem 02.08.2026 erzeugt wurden, müssen nicht nachträglich gekennzeichnet werden. Eine freiwillige Kennzeichnung wird empfohlen.

Reicht das automatische Label der Plattform?

Nein. Plattform-Labels ergänzen die Pflicht, ersetzen sie aber nicht, und sie greifen nicht überall gleich. Kennzeichne zusätzlich sichtbar in Caption oder Bild.

Gilt die Pflicht auch für kleine Betriebe?

Ja, die Offenlegungspflicht gilt unabhängig von der Betriebsgröße für Betreiber, die Deepfakes veröffentlichen. Bei Bußgeldern soll die Verhältnismäßigkeit für kleine Unternehmen berücksichtigt werden.

Quellen

Stand der Quellen: 13.10.2026. Nicht alle Plattform- und EUR-Lex-Seiten ließen sich im Wortlaut abrufen. Prüfe die Originale vor dem Posten. Gesetze, Behörden und Plattformen stehen zuerst, Berichte danach.

Gesetze, Behörden, Plattformen

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